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The show must go on. Uuuuuuuund: ACTION! (2016 Sri Lanka 4)

Bei den Vorträgen in Sri Lanka hatten mein Team und ich die Erfahrung gemacht, dass die singhalesische Zeit eine andere Ausdehnung hat als die europäische. Innerlich darauf eingestellt und nunmehr mit eigenem Equipment reisend, waren wir gut vorbereitet. Nun stand mein erster Termin in Sri Lankas bekanntester Live-TV-Show an. Hier würde Timing alles sein, also genau meine Stärke! Wirklich?

Let's talk about …ja, worüber eigentlich​?

Fernsehen. Live. Natürlich war wieder mein Englisch gefordert. Natürlich war ich nervös. Ich spreche gut Englisch und ziere mich nicht vor Unterhaltungen in dieser Sprache. Sich in einem fremden Land und Kulturkreis in einem Interview dem gigantischen Fernsehpublikum zu stellen, ohne die korrigierenden Möglichkeiten einer Aufzeichnung, ist allerdings auch für mich super aufregend. Zwei Sendungen waren anberaumt, morgens, direkt hintereinander. Das Vorgespräch mit dem Moderator blieb unbefriedigend für mich, denn auf konkrete Fragen zu seinen Fragen erhielt ich keine Antworten. Ich solle mir keine Gedanken machen, man würde nur ein wenig miteinander plaudern. Hättest du dir keine Gedanken gemacht? Achterbahn in meinem Kopf. Was mich, wie so oft, einigermaßen schlaflos machte.

3 Wecker und ein Totalausfall

Die Sendungen waren am frühen Morgen geplant. Die erste um 06:00 Uhr, die zweite um 07:00 Uhr, mit einer kurzen Pause dazwischen. Wir hatten uns extra ein Hotel gesucht, was in 20minütiger Nähe zum Fernsehstudio lag, um nicht zu nachtschlafender Zeit eine lange Anreise stemmen zu müssen. Torsten, Sven und ich teilten uns ein Zimmer. Drei Timing-Freaks. Drei gestellte Wecker. Drei Adrenalinpegel. Wir waren vorbereitet. Irgendwann schlief ich ein, getaucht in das intensive Gefühl freudiger und aufgeregter Erwartung auf den nächsten Morgen. Das nächste woran ich mich erinnere, war, dass mich mit dem Augenaufschlag ein Blitz traf: 05:38 Uhr! Wir hatten verschlafen! Komplett.

Nicht denken, nur handeln

05:38 Uhr. Diese Ansage zischte wie heißes Eisen durch mein Gehirn. Beim Blick auf mein Handydisplay nahm ich die unermesslich hohe Zahl der „Anrufe in Abwesenheit" wahr. Sie hatten es alle probiert: Martin, der Mönch, der Moderator, mein sri-lankischer Freund aus Berlin. Minütlich. Jetzt allerdings war keine Zeit, um irgendwen zurück zu rufen oder zu beruhigen. Wenn ich zumindest noch halbwegs zum Sendungsbeginn in diesem Fernsehstudio ankommen wollte, dann hieß das: raus aus dem Bett, kein waschen, kein pinkeln, kein kämmen, kein Nichts, nur Klamotten überziehen und los! In so einem Augenblick ist unbezahlbar, wenn die Menschen um dich herum genauso ticken wie du. Absprachen mit den anderen hätten Sekunden gekostet, die wir de facto nicht hatten. Sven und ich fanden uns mit Lichtgeschwindigkeit im Tourbus wieder und begannen die Rennfahrt zum TV-Studio. Torsten würde aufräumen und dann nachkommen. Noch 15 Minuten bis zum Start der Live-Show.

Nur beamen ist schöner

Sind wir geflogen? Wir müssen geflogen sein. Anders ist nicht zu erklären, dass wir es tatsächlich schafften, 3 Minuten vor Showbeginn auf dem Studiogelände zu sein. Weiterhin war allen Beteiligten (jetzt erweitert um das Fernsehteam) klar, dass es gegenwärtig nur und nur um eins ging, schnellstmöglich vor der Kamera zu landen. Keine Zeit für Erklärungen, Absprachen, Entschuldigungen, Maske. Ich war, trotz aller Hetze, fröhlich, denn ich hatte es geschafft! Ich hatte es wirklich noch pünktlich geschafft! Die Blicke des Moderators aber waren vernichtend, als er mich sah. Selbstverständlich verspürte ich den allzu menschlichen Drang ihm wenigstens mit einem Wort deutlich zu machen, dass es mir Leid tat. Dass ich keine unzuverlässige, deutsche Diva mit Starallüren war. Dass ich mich mindestens so aufgeregt hatte wie er! Stattdessen gab es nur noch 4 – 3 – 2 – 1 – Zero und schon brannte das Scheinwerferlicht auf meiner schweißnassen Haut.

Am Ende wird alles gut

Heute kann ich nicht sagen, worüber wir in dieser ersten Sendung gesprochen haben. Ich kann mich nicht erinnern, ob mein Englisch gut, bescheiden oder brillant war; das erste Interview war durchaus beeinflusst von der verpatzten Stimmung zwischen mir und dem Moderator. Ein Wohlfühlgespräch sieht anders aus. Als es vorbei war und wir in die kurze Pause bis zur zweiten Sendung gingen, war endlich die Gelegenheit aus dem stammhirngesteuerten Überlebensmodus in die Verhaltensweisen eines vernunftbegabten Menschen zurückzufinden. Ich gab spontan noch ein Radio-Interview, welches der Sender in der knappen Verschnaufzeit anberaumt hatte. Ich sprach mit dem Moderator, konnte mich in der Maske ein wenig frisch machen und gelangte zumindest im Ansatz in eine souveräne Balance.

Again: Regeln? Welche Regeln?

Die zweite Show verlief entsprechend entspannter, jetzt konnte ich die Interviewsituation sogar genießen und mehr von der Fernsehatmosphäre in mir aufnehmen. Der Moderator und ich gingen im Guten auseinander und, was ich auf dem Rest meiner Sri Lanka reise noch intensiv merken würde, die Live-Übertragungen hatten mich landesweit in den Rang höchster Prominenz katapultiert. Sofort im Anschluss an die Sendung wurde ich gebeten, einen Vortrag vor der Vorstandsriege des TV-Senders zu halten. Dieser war ebenso wenig abgesprochen worden, wie das Radio-Interview in der Pause. Da ich inzwischen mein Nervenkostüm geglättet und wieder aus dem Potenzial meiner Spontanität schöpfen konnte, kam ich dem Wunsch nach. Der laxe Umgang mit Absprachen mochte nicht ohne Charme sein, stellte sich allerding z.B. in Bezug auf Film- und Verwendungsrechte als Fallstrick dar. Auch in diesem Punkt lernte ich viel.

Verreist, verknüpft, verändert

Ich habe noch keine Reise gemacht, die mich nicht bewegt, beschenkt und verändert hat. Immer gab es Begegnungen, die entweder für den Moment oder darüber hinaus Tragweite hatten. Aus meiner Sri Lanka Reise ging beispielsweise meine Verknüpfung mit UNICEF hervor und damit eine neue, unglaublich großartige Möglichkeit, das, was mir wirklich am Herzen liegt, in die Welt zu bringen: Menschen zu ermutigen. Den „Wie-ist-es-möglich-Gedanken" als Grenzensprenger zu verbreiten.Dem Flow zu folgen und meinen Impulsen zu trauen, hat mich in die Welt und unterschiedlichste Wachstums-Situationen gebracht.

Du musst natürlich nicht nach Sri Lanka reisen, um zu wachsen. Trau deinem Lebensfluss, dann wirst du genau die Reise unternehmen, die die wichtigste für dich ist. Die Reise zu dir selbst.

 

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© 2020 Janis McDavid