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So echt wie ich selbst

Auf Reisen und in Hotels werde ich häufig auf Englisch angesprochen und verursache kurze Irritation, wenn ich mich als Deutscher oute. Mein Name legt die erstere Annahme durchaus nah und mir ist er ja von jeher so selbstverständlich, dass ich das manchmal vergesse. Für viele Menschen ist der Name eng mit der Familie und damit z.B. mit einem Zugehörigkeitsgefühl verknüpft. In meinem Fall sieht das alles ein wenig anders aus.

Geschichte, Geschichten und Gene

Um es direkt vorweg zu nehmen: Ich mag meinen Namen sehr. Ich find ihn cool. Immer schon. Mit meinen Hamburger Eltern habe ich kürzlich mal wieder über unseren Familiennamen gesprochen. Das erinnerte mich daran wieviel ich selbst mittlerweile über meine Ahnen und über die Familiengeschichte weiß. Wenn ich hier und dort für einen Schotten oder Briten gehalten werde, dann ist das insofern nicht verwunderlich, als es in meiner Ahnenreihe tatsächlich Schotten gibt. Schotten, die im vor sehr langer Zeit als Auswanderer nach Südamerika gingen, nach British Guyana. Später erfolgte eine heimliche Rückkehr des Familienzweiges nach Europa, was schlussendlich im Fortlauf zu meiner Geburt in Hamburg führte. Sich mit der eigenen, genetischen Historie zu befassen ist spannend, denn es offenbart wieviel Welt und Werdegang in jeder unserer Zellen steckt.

Alle unter einem Dach

All das macht jedoch nur einen Teil meiner Herkunft aus, denn aufgewachsen bin ich, wie die meisten von euch wissen, nicht bei meinen leiblichen Eltern in Hamburg, sondern in meiner aus eigenen und „ausgesuchten" Geschwistern bunt gewürfelten Bochumer Familie. Ein gemeinsames „Namensdach" kannte ich nicht, sondern ein gemeinsames Lebensdach. Für mich war es völlig normal, dass meine Geschwister und Eltern allesamt unterschiedliche Namen hatten. Der Name war kein Faktor, um sich beispielsweise familienzugehörig zu fühlen. Das ist heute allgemein immer öfter der Fall, denke ich, denn Menschen können auch bei Heirat die eigenen Namen behalten; es gibt immer mehr Patchworkfamilien und alternative Lebenskonzepte. Meine Familie, mein „inner circle", sind nicht zwingend oder automatisch die Menschen, deren Namen ich trage. Er bestimmt nicht den Grad der Nähe und Vertrautheit. Gleichzeitig verbindet er mich mit meiner Herkunft, und ja, das mag ich, auch das ist mir wichtig und ich bin froh, all diese unterschiedlichen Aspekte in meinem Leben vereint zu wissen.

Anders macht aufmerksam

Da ich Speaker bin wird McDavid immer wieder für einen Künstlernamen gehalten und die Überraschung ist entsprechend, wenn ich versichern kann, dass es ein ganz und gar echter, eigener Name ist. Auf Reisen ist er dank seiner englischen Aussprache praktisch und wenn ich auf neue Menschen treffe, bietet er sehr, sehr oft einen leichten Einstieg bzw. Anknüpfungspunkt für Gespräche, bei denen man vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Das hat mir und anderen schon so manchen Small-Talk übers Wetter erspart. Es sind manchmal die großen und manchmal die kleinen Andersartigkeiten, die uns Aufmerksamkeit bescheren. Ich jedenfalls denke oft, passender hätte dieser Name für mich gar nicht sein können.

Um nix in der Welt

Sind Namen vergänglich? Sind sie unbedeutend? Aus Goethes „Faust" stammt die Redensart, sie seien „Schall und Rauch". Wir sind sicher mehr als ein Name und gleichzeitig ist er extrem eng mit unserer Identität verknüpft. Er bedeutet uns etwas. Er bezeichnet uns. Wir möchten ihn ablegen, wenn wir ihn nicht mögen oder unsere Herkunft nicht mögen. Wir legen Wert darauf, dass er richtig geschrieben und ausgesprochen wird, wenn wir eins mit ihm sind.

Mit McDavid, mit Janis McDavid, bin ich so sehr eins, wie nur irgend vorstellbar. Janis, mein Vorname, ist übrigens hebräischen Ursprungs und eine Form von „Johannes". Er bedeutet in etwa „Gott ist gnädig" bzw. wird u.a. mit „Gottes gnädiges Geschenk" in Bezug auf die Geburt übersetzt, was ich angesichts dessen, dass mit meiner Geburt mein bestes Leben begonnen hat, genau so perfekt für mich finde wie meinen Nachnamen. Nomen est omen.

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© 2020 Janis McDavid