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Problem- oder Komfortzone? Warum Timing nicht alles ist (Sri Lanka 3)

Vor bereits 45 Minuten hätte der Vortrag beginnen sollen. Herzklopfen, Pulsrasen, entgleiste Gedanken. Gibt es ein Leben nach dem Timing? Konnte das hier noch etwas werden? Wie sollte ich unter diesen chaotischen Umständen jetzt noch einen brauchbaren Vortrag abliefern? Diesmal, so schien es mir, hatte das Wachstum jenseits der Komfortzone nur eine Frucht: Probleme.

Kommt Zeit, kommt Vortrag

Das wartende Publikum erhielt Kekse und Tee. Ministeriumsmitarbeiter liefen hin und her, um alle benötigten Einzelteile zusammen zu suchen. Endlich war der Beamer da, dafür fehlte vom angekündigten Minister immer noch jede Spur. Vom Beamerkabel übrigens auch. Mein Lebens- und Pünktlichkeitsgefühl steckte zu hundert Prozent im deutschen Modus fest, ich erwartete sekündlich Buh-Rufe und den Tumult eines entnervten Publikums, was hierzulande auch längst über mich hereingebrochen wäre. In Sri Lanka aber war ich der einzige, der angesichts der Lage freidrehte. Die Menschen im Saal plauderten und lachten, aßen und tranken und insgesamt herrschte eine Art wohlwollende, fröhliche Festivalstimmung. Niemand außer mir schien einen anderen Ablauf erwartet zu haben. Ich erkannte: Überlass die Organisation den anderen, fokussiere dich auf dein Thema und den Vortrag, um bereit zu sein, wenn es losgeht. Schlussendlich war alles da. Der Beamer, das Kabel, der Tisch, der Mönch, der Stuhl, der Minister – und ich.

Und was sind Regeln?

Selbstverständlich hatte ich meinen Vortrag inklusive der Zeit geplant, die Samitha für die Übersetzung brauchen würde, sprich, ich hatte die Minutenzahl circa verdoppelt. Eine Probe dazu hatte es nicht gegeben. So verwirrte es mich einigermaßen, dass der Mönch um ein Vielfaches länger sprach, als mein jeweils gesprochener Satz oder Halbsatz vermuten ließen. Das Singhalesische dehnte meine englischen Sätze ins schier unendliche. Die sich daraus ergebende Länge unserer Rede machte abermals nur mich, niemanden sonst nervös. Das Publikum hatte ohnehin seine eigene Version von Aufmerksamkeit. Immer wieder blickte ich auf telefonierende oder sich unterhaltende Menschen. Der ungewohnte Anblick verunsicherte mich, auch wenn ich ahnte, dass dieses in Deutschland einem Affront gleichkommende Gebaren, hier völlig normal war.

Mein Publikum wartete gespannt. Niemand außer mir schien einen anderen Ablauf erwartet zu haben.

Noch Fragen?

Fast hätte ich nicht mehr zu glauben gewagt, dass die Redezeit bzw. die Übersetzerei einmal enden würde. Eine Fragerunde sollte sich anschließen. Mein Englisch ist gut, doch der in Sri Lanka dazukommende starke Akzent, ließ mich hochkonzentriert sein, als ich die erste Wortmeldung aus dem Publikum entgegennahm. Ich hatte Sorge nicht alles zu verstehen, und ich verstand auch nicht alles. Meine gesamte Konzentration floss in dem einen Ziel zusammen: Die Frage zu hören! Die in alle Ausführungen gebettete Frage! Ich lauschte und lauschte. Die Frage, die Frage, wo blieb die Frage? Der Mann aus dem Publikum sprach weiter, endete irgendwann und setzte sich wieder. Hallo? Ja, bitte? Einige Sekunden verstrichen, bis ich begriff, dass gar keine Frage gestellt worden war. Dass der Mann ganz einfach etwas erzählt hatte. Weitere Wortmeldungen dieser Art folgten. Ich hätte mich längst entspannen können. Hätte!

Teatime zum Abschied

Ich kann gar nicht mehr sagen nach wieviel Stunden genau diese erste Vortragsveranstaltung in Sri Lanka zu Ende ging. Es war jedenfalls weit jenseits dessen, was ich geplant, erwartet und organisiert zu haben glaubte. Beim gemeinsamen Tee mit dem Minister fand der Tag seinen Ausklang. Nur allmählich sickerte die Erkenntnis in mich hinein, dass ich mich im wahrsten Sinne des Wortes in einer anderen Zeitzone befand, dass mein deutsches Verständnis von terminlichen Abfolgen wie vom Mond wirken musste. Im Nachhinein muss ich darüber wirklich schmunzeln. Da ich nun wusste, was meine Begleiter und mich erwarten würde, sorgte ich für die weitere Reise vor: eigener Beamer, eigene Kabel, eigene Stühle – wir würden ab nun mit Ausrüstung reisen.

Wer bist du, wenn sich die Kulisse ändert​?

Theoretisch habe ich gewusst, dass andere Länder ein anderes Zeitgefühl leben. Die Art mit Pünktlichkeit umzugehen, ist ja auch innerhalb Europas schon unterschiedlich. So extrem wie hier war es mir jedoch noch nie begegnet. Für mich war es spannend zu erleben, wie ich auf die ungewohnte Situation reagierte. Dass ich zwar spontan genug war, um mal eben nach Sri Lanka zu reisen, um dann aber meiner völligen Verklebung in deutschen Zeitmustern zu begegnen. Das ist es, was unter anderem Reisen für mich so wertvoll macht. Es ist nicht nur ein Herausgehen aus Komfortzonen. Es ist das sich Wiederfinden in gänzlich anderen Welten. Und in diesen anderen Welten anzukommen und gleichzeitig für eigene Bedürfnisse Sorge zu tragen.

Wenn Zeitverschiebung auf einmal eine andere Bedeutung hat, als das wandern eines Zeigers auf der Uhr.

In Part 4 erfahrt ihr, wie man in Minutenschnelle Anrufe in Abwesenheit sammelt und eine Live-Show auf den Kopf stellt.

 

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© 2020 Janis McDavid