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Keep calm and stay focused – In der Ruhe liegt das Ziel

Trotz rechtzeitiger Anmeldung passte mein Rollstuhl nicht durch die Ladeluke des Flugzeugs. Das Flugpersonal war genervt und aufgeregt, obwohl die Rumpelstilzchen-Nummer in dieser Situation eigentlich mein Privileg gewesen wäre. Ich hatte alles im Vorfeld richtig gemacht, sollte nun aber nicht mitfliegen dürfen? „Sie sehen doch, dass es nicht geht!" Ehrlich gesagt sah ich das nicht.

Wie kannst du nur so ruhig bleiben?

Wahrscheinlich gäbe es mindestens 50% weniger Stress, Ärger und Konflikte in unserem Alltag, wenn wir nicht ständig von der kuriosen Prämisse ausgingen, alles habe glatt zu laufen. Als beinhalte das Leben eine Art angeborenes Recht auf Reibungslosigkeit. Für mich war und ist das Leben ein Parcours, dem ich mich jeden Tag stelle. Es kann alles glatt gehen und ich tue sehr viel dafür, dass ich Reibungslosigkeit genießen darf, indem ich sorgfältige und selbstwertschätzendeVorbereitungen treffe. Keinerlei Unwägbarkeiten zu erwarten, käme mir jedoch nie in den Sinn! Warum ich so ruhig bleiben kann? Weil ich handlungsfähig sein möchte.

Willst du Recht haben oder mitfliegen?

Auf den ersten Blick schien es keine Lösung zu geben. Der Rollstuhl passte definitiv nicht durch die Öffnung zum Frachtraum. Dass ich also nicht mitfliegen könne, war die laut und wiederholt geäußerte Schlussfolgerung des Airline-Personals. Für mich war vollkommen klar, dass ich diesen Flieger nach Berlin nehmen würde, um mein Timing einzuhalten. Ich hatte im Vorfeld alles rechtzeitig und akkurat organisiert und angemeldet. Dass die Airline ein anderes Flugzeugmodell ins Rennen schicken würde als ursprünglich geplant, war nun einmal nicht mein Problem. In Situationen wie diesen liegt mir nichts daran „Schuldige" zu finden oder mich in scheinbar gerechtfertigter Wut zu ergehen. Denn beides bringt mich meinem Ziel nicht näher. Im Gegenteil – Wut blockiert das Denken.

Angriff ist die beste Verteidigung?

So manches Mal schütten wir den Ärger, den wir über uns selbst empfinden, einfach über die anderen aus. Auch ich kenne diesen Impuls. Wenn es nicht höhere Gewalt, sondern ggf. eigene fehlende Planung (Selbstfürsorge!) ist, die ein Problem hat entstehen lassen, ärgere ich mich. Ärger, der in einem polternden Angriff zügig ein Ventil finden könnte. Zur Lösung einer Situation trägt das nichts bei. In meiner Flugzeugstory gab es allerdings keinen Grund ärgerlich auf mich selbst zu sein. Ich hatte 100% Vorbereitung geliefert. Und mit Aggression waren die Menschen kaum für die Frage „Wie kann es noch funktionieren?" zu gewinnen. Mit meiner aggressionsfreien Beharrlichkeit hingegen schon.  

Ich möchte das Ziel treffen, nicht die Menschen

Oft wird ruhiges Verhalten mit Nachgiebigkeit verwechselt. Und mir lag wirklich nichts ferner, als mich von meinem Flug zu verabschieden. Natürlich konnten auch die Flugbegleiter nichts dafür, dass der Flieger ein anderer war und die Luke somit zu klein. Allerdings, und an diesem Punkt war ich hartnäckig, gehörte es zu ihren Aufgaben für mich als Fluggast eine Lösung zu finden. Ihr Zetern und ihre Aufregung war die vorsorgliche Angriffsverteidigung, die meinen erwarteten Kundenzorn im Keim ersticken sollte. Dass eben dieser Zorn ausblieb wirkte erst irritierend, dann schaffte er Raum für lösungsorientierte Überlegungen. Gelassenheit ist unnachahmlich entwaffnend.

Lösung kommt von loslassen. Free your mind

Weil ich weiß, dass ich meinen Rollstuhl brauche, plane ich vorausschauend. Auch in diesem Fall. Es war zwar nicht schön und durchaus umständlich, dass der Rollstuhl nicht transportiert werden würde, doch ich hatte einen Zweitrollstuhl in Berlin, den ich bei der Ankunft holen lassen konnte. So wurde schlussendlich meine Reise dahingehend umorganisiert, dass ich den gebuchten Flug antreten konnte und mein Rollstuhl mit dem nächsten nachgeliefert wurde. Hätte ich frustblind darauf gepocht, dass ich nur und nur so, wie ich es geplant hatte reisen könne, wir stünden vermutlich alle noch streitend auf dem Rollfeld.

Kritisiere, verurteile und klage nicht

An diese Regel aus Dale Carnegies Buchklassiker „Wie man Freunde gewinnt", muss ich in solchen Augenblicken immer denken. Herausforderungen meistere ich mit Sparringspartnern schneller und leichter als alleine. Was also habe ich davon, wenn ich andere durch meine Wut zu Feinden erkläre und sie torpediere, um meinen Gefühlen einen Blitzableiter zu liefern? Ich möchte Menschen zu einer Handlung bewegen, ja, auch jenseits der Komfortzone, jenseits aller Das-geht-nicht-Gedanken. Mein Fokus richtet sich auf meine Ziele. Ich schaue nicht nach einem Sündenbock, sondern immer nach einem Weg.

 

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© 2020 Janis McDavid