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Gezielt umsetzen statt vorsätzlich scheitern

Nein, ich habe keine guten Vorsätze. Ich bin ein fast militanter Gegner von guten Vorsätzen. Weshalb? Weil sich gute Vorsätze bei näherem Hinsehen als schlechte Vorsätze entpuppen und das eigene Scheitern in der Mehrheit der Fälle vorprogrammiert ist. Dabei wäre es so einfach, erfolgreich zu sein. Ich verrate euch meine beste 3-Punkte-Strategie.

Vom Schlechten des Guten

Kaum eine Gelegenheit lässt Menschen ihre To-Do-Listen so träumerisch upgraden, wie der Jahreswechsel. Im neuen Jahr wird alles anders! Der Bauch, die Beine, der Bizeps. Von der rauchbefreiten Lunge ganz zu schweigen. Jedes Jahr stürzen sich Millionen Menschen lemminggleich in einen Frustrations-Abgrund, obwohl wenige Meter weiter eine sichere Brücke den Weg ans gesteckte Ziel bietet.

Das Schlechte am guten Vorsatz ist, dass ihm zu oft kein positiver Gedanke zugrunde liegt, selbst wenn es auf den ersten Blick so wirkt. Mehr Sport, gesünder essen, nie mehr Rauchen, ja, das sind doch beste Wünsche mit besten Auswirkungen auf Gesundheit und Leben. Die dahinter schlummernden Bilder in den Köpfen sehen allerdings so aus: Nie wieder Currywurst und Schoki, dafür viel schwitzen und anstrengen und für alle Zeiten blanke Nerven ohne Nikotintrost. Horror pur.

Gute Aussichten auf Mangel

Manche Menschen nennen den guten Vorsatz lieber Challenge und setzen auf den mitreißenden Effekt der Gruppendynamik. Wenn man nicht allein, sondern mit ganz vielen anderen zusammen und zeitgleich das schlechte Gewissen im Hinterkopf hat, wird es gewiss leichter. Wenn die 30, 60 oder 90 Tage vorbei sind, gucke ich im Freundes- und Bekanntenkreis stets mit empathischer Neugier, wie es so geht im neuen Leben, mit dem Bauch, dem Bizeps und dem Rauch. Dann folgen die Gespräche über dominante Schweinehunde, aus dem Rhythmus gekommene Rhythmen oder jene nervliche Ausnahmesituation, bei der die Einmal-ist-Keinmal-Regel zur Abstinenzunterbrechung angewendet wurde. Mehrfach natürlich.

Okay – jetzt mal konstruktiv

Ironie off. Seid unbesorgt, es ginge mir kein Stück anders, hätte ich nicht vor einiger Zeit dank meines Mentaltrainer-Lehrers Thomas Baschab begonnen, 3 Dinge grundlegend anders zu machen.

  1. Du willst etwas verändern? Tu es jetzt! Warte nicht auf Neujahr oder sonstige Gelegenheiten. Folge deinem Impuls und nutze die motivierende Energie der Gegenwart.
  2. Kopple dich an die Freude, nicht an den Verzicht. Wo ist der Spaßfaktor, welcher Gewinn wartet auf dich?
  3. Träum ruhig groß, aber steck dir ein winziges Etappenziel. Setz die Anfangshürde tief!

 

Das Geheimnis von Punkt 3

Während sich die ersten beiden Schritte von selbst erklären, zeugt der dritte Punkt von cooler Raffinesse. Um Gewohnheiten zu verändern, das wird die Hirnforschung nicht müde uns zu sagen, brauchen wir ca. sechs bis acht Wochen und stete Wiederholungen. Die hohe Anfangsmotivation führt uns dabei gerne auf das Glatteis völliger Überforderung. Wir wählen zu große Schritte und stressen uns mit zu hoch gelegten Hürden. Durchzuhalten nur bei Bestbedingungen. Ich zum Beispiel wollte schon lange „endlich mehr lesen!". Ein schwammiges Ziel, das dazu führte, dass sich die Bücher, die ich wirklich endlich lesen wollte, um mich herum stapelten. Ein Mahnmal unangetasteter Wissenserweiterung. Ich war schon müde, wenn ich nur daran dachte, eines der Bücher in Angriff zu nehmen. Wie sollte ich es angehen?

Aller Anfang ist klein

In meinem Fall also eine Seite täglich. Die schaffe ich immer. Unter allen Umständen. Die spür ich nicht, die tut mir nix, sie ist keine Last, sondern ganz easy machbar. Wenn die Seite zu 3/4 gelesen ist stelle ich mir kurz die Frage, ob es damit für heute okay ist oder ich weiterlesen möchte. Wie ihr euch denken könnt, will ich meist weiterlesen. Wenn nicht, lege ich das Buch guten Gewissens weg – das Soll ist erfüllt. So entsteht ein Erfolgserlebnis. Seit dieser Entscheidung ist mein Lesepensum mit Leichtigkeit angestiegen, die mich einfach total begeistert. Ihr könnt das Prinzip der niedrigen Hürde natürlich auf alles anwenden. Du willst endlich regelmäßig Sit Ups machen? Verordne dir drei jeden Tag. Nicht mehr. Drei wirst du selbst dann noch machen, wenn du schon den Anzug oder dein Kleid anhast und auf dem Sprung zur Arbeit bist. Du wirst dich nicht davor drücken, du wirst sie einfach machen. An anderen Tagen wirst du weit mehr als drei machen, weil die Zeit und die Lust da sind. So entsteht jene Regelmäßigkeit, die dein Hirn will, um eine neue Gewohnheit zu etablieren.

Mach's dir leicht​!

Denn dann machst du weiter. Vergiss hoch gesetzte Messlatten, sondern schaffe dir einen niedrigschwelligen Weg und entscheide aus dem Moment, um wieviel weiter du gehen magst. Jedes Mal aufs Neue. In diesem Sinne wünsche ich euch ein frohes neues Jahr, mit Umsetzen statt Vorsätzen und voller Erfolg.

Foto: Katy Otto

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© 2020 Janis McDavid