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Das Nächste, bitte – nicht!

„Immer muss ich machen, was ich will!" war meine erbost-frustrierte Reaktion als Kind, auf eine Antwort meiner Eltern, nach der sich andere Kinder vielleicht sogar gesehnt hätten. Denn wenn ich keine Idee hatte, womit ich mich beschäftigen soll, sagten meine Eltern „Mach doch einfach, was du gerade willst". Kurzreflexion über ein elend langes Gefühl.  

Eure Kommentare wirken. Nachhaltig​!

Eines vorweg: die heutigen Gedanken kamen durch einen Social-Media-Kommentar zu meinem Corona-Blog ins Rollen, in dem ich mir und euch die Frage gestellt hatte, was wir sinnvolles mit der Zeit anfangen können, die uns durch Homeoffice, Veranstaltungsabsagen, Social Distancing und Arbeitsausfälle plötzlich zur Verfügung steht. Meine Frage wurde mit der berechtigten Gegenfrage bzw. Überlegung quittiert, warum wir Zeit denn unbedingt sinnvoll nutzen müssten? Und ob Langeweile nicht ebenso sinnvoll sein könne. Also hab ich mich gefragt: Ja, warum eigentlich; Janis?  

In der Ruhe liegt die Panik

Eigentlich kenne ich das schon ganz lang: Diese körperlich spürbare Ruhelosigkeit, die auftritt, wenn ich nichts zu tun habe. Wenn ich keine Idee habe, was ich als nächstes mache. Einfach mal entspannen? Klar entspanne ich. Natürlich fläze ich auf dem Sofa, daddle mal Zeit mit Games weg und leere gepflegt eine XL-Popcorntüte während ich Serien gucke. Doch diese Entspannung ist, wenn ich es schonungslos betrachte, einfach ein weiteres To do. ein Punkt meiner Agenda. Weit entfernt davon, einfach aus einem leeren Raum entstanden zu sein. Langeweile lässt mich nicht faultiergleich und freizeitfroh gähnen – sie beschleunigt meinen Puls. What's next?  

La La Langeweileland

Das nächste, bitte! Ja, klar bin ich vom Naturell einfach umtriebig. Über meine Neugier schrieb ich mehrfach. Meine Lust am Entdecken, an Bewegung, an neuen Dingen, Innovationen. Ich bin ziemlich reizverliebt und das ist völlig okay. Einerseits. Gleichzeitig darf ich gerade jetzt entlarven, wie sehr sich das verselbständigt hat; dass ich mich fast ausschließlich in diesem Lebensmodus der gefüllten Räume aufhalte. Balance ist etwas anderes. In meiner Kindheit gab es (für mein Naturell) oft gähnende Langeweile. Grausige Langeweile. Niemand und nichts bot mir ständig an mich zu bespaßen. Eltern nicht, Elektronik nicht. Wenn es mich quälte, fraget ich eben doch mal: „Was soll ich denn jetzt spielen?" Die Antwort: „Was du willst." Hölle, reloaded.

Die Wiege der Kreativität

Ja, ich hab's gehasst. Und doch hab ich dabei etwas gelernt, an das ich mich -und euch-heute erinnern will: immer, und zwar wirklich immer, entsprang aus meiner Langeweile eine kreative Idee bzw. kreative Handlungen. Dass ich die Langeweile ausgehalten habe bzw. aushalten lernen musste, verdanke ich meinen Eltern, die eben nicht sofort besorgt aufsprangen, um meinem Wunsch nach Außenreiz nachzukommen. Sie konnten sich auf die Kraft der Langeweile verlassen. Eine Kraft, die dazu führte, dass ich eigene Spiele erfand. Sogar einen Kinderclub gründete, in dem ich mit Freunden die Welt der Großen beim Kaufen und Verkaufen auf unsere kindliche Art neu erfand. Am Ende der Langeweile stand das Glücksgefühl der eigenen Schöpferkraft.  

Gut Ding will Langeweile haben

Zurück also zur Eingangsfrage: Muss ich meine Zeit sofort „sinnvoll" füllen bzw. kann nicht die Langeweile selbst sinnvoll sein? Ja. Unbedingt. Eure Anmerkung hat mir verdeutlicht, dass ich dabei bin zu verlernen mit echten Freiräumen umzugehen. Wie automatisiert ich nach Ablenkung, Scheinentspannung und Beschäftigung greife, nur um nicht Langeweile fühlen zu müssen. Dass ich mich nicht wirklich entspannt habe oder zur Ruhe gekommen bin, spüre ich, weil sich mein Kopf dann nicht klar und erfrischt anfühlt, sondern wie mit Brei gefüllt. Niemand kann mich vor dieser selbstverständlich gewordenen Reizflutung schützen – nur ich selbst.  

Guck mal, wer da jammert

Was also passiert, wenn ich nicht diesem ersten Impuls folge, mich sofort mit etwas beschäftigen zu müssen? Zurzeit beobachte ich mich. Was mit mir passiert, wenn die Langeweile auftaucht. Spüre das aufkommende Jammern. Mein Abwehren. Den Puls. Das alte, fiese Gefühl aus meiner Kindheit. Gedanklich rufen mir meine Eltern „Mach doch, was du willst" zu und ich atme ein, und ich atme aus. Danke ihnen. Danke euren Kommentaren. Und mir selbst fürs Innehalten, Aushalten, Anhalten.

Wie geht es dir mit deiner Langeweile? Hältst du sie aus? Ist deine Entspannung ein „To do"? Oder ein „To live"?

PS: Inzwischen verdanke ich der Langeweile eine deutliche Breiabwesenheit in meinem Kopf. Ich halte sie aus. Ich komme zur Ruhe. Greife dann nicht nach einem Buch, um mich abzulenken. Sondern um zu lesen. Rufe nicht Menschen an, um mich abzulenken, sondern um mit ihnen sprechen. Spiele nicht am Computer, um mich wegzubeamen, sondern um Spaß zu haben. Keine To do's. Immer mehr To live's.

Coverfoto: Katy Otto

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© 2020 Janis McDavid